Special Olympics :
Gold für Timur Acar in der Dressur

Bergkamen, 25.06.2010, Heino Baues (DER WESTEN)
Timur Acar hat in Bremen bei den Special Olympics National im Dresurreiten die Goldmedaille gewonnen.


Bergkamen. Mit der Goldmedaille im Dressurreiten kehrte Timur Acar am vergangenen Wochenende aus Bremen zurück. Der geistig behinderte 25-Jährige aus Rünthe hat nun alle Chancen im Sommer 2011 an den Special Olympics in Athen teilzunehmen.
Olympische Luft hatte der junge Mann bereits vor vier Jahren in Shanghai geschnuppert. Damals durfte das Sporttalent allerdings nur als Ersatzreiter mitfliegen. Was er dort in der chinesischen Millionen-Metropole erlebt hatte, daran erinnert er sich dennoch heute sehr gern.
Für Mutter Marion Acar ist der Pferdesport ein Glücksfall. Der Umgang mit den großen Tieren habe die Entwicklung ihres Sohns, der an den Folgen einer Chromosomenveränderung leidet, erheblich gefördert, berichtete sie im Gespräch mit der Redaktion.
Auf die Reitspur kamen Timurs Eltern, nachdem sie den „Kampf“ gegen ihre damals 11-jährige Tochter Miriam aufgegeben hatten, die unbedingt ein Pferd haben wollte. „Das war ein Wunsch, den viele Mädchen in diesem Alter haben“, schmunzelte Mutter Marion. Und der ging scheibchenweise in Erfüllung. Zunächst durfte sie auf dem Hof Schulze-Elberg in Rünthe ein Pflegepferd versorgen, später kam dann das eigene Pony. Timur war damals neun Jahre alt. „Es war erstaunlich, dass er bei der ersten Begegnung mit diesem Pony seine Scheu verlor und auch plötzlich ganz locker wurde“, berichtete Marion Acar.
Als der Junge dann hörte, dass Schulze-Elbergs ein Pony verkaufen wollten, drängelte Timur so lange, bis seine Eltern nachgaben. Marion Acar: „Wir haben ja gemerkt, welche positiven Einflüsse Pferde auf Timur haben. Deshalb haben wir es getan.“
Von den Schulze-Elbergs kam auch der Tipp, dass sich in Werne ein Verein befindet, der sich dem therapeutischen Reiten verschrieben hat. Richtig sportlich wurde es vor rund sechs Jahren, als die neue Reitlehrerin Uta Deutschländer kam. Schließlich helfen auch Erfolgserlebnisse den behinderten jungen Leuten oft weiter. Bereits zur Special Olympics 2006 stellte der Reitclub Werne zwei Aktive und eben Timor als Ersatzreiter. Marion Acar geht davon aus, dass sich insgesamt fünf Reiterinnen und Reiter berechtigte Hoffnungen machen dürfen, im nächsten Jahr in Athen dabei zu sein.
Wie viele es tatsächlich sein werden, mag sie aber heute nicht abzuschätzen. Nur insgesamt sechs Reiterinnen und Reiter werden in das deutsche Team aufgenommen. Vermutlich muss aber der „Hellweg Industrie-Service“ des Perthes-Werks in der Marina Rünthe ihrem Mitarbeiter Timur für nicht ganz drei Wochen im Sommer 2011 Sonderurlaub gewähren.
Aus den beiden Pony der Anfangszeit sind inzwischen zwei große Pferde geworden, eine Stute und ein Wallach. Am vergangenen Wochenende mussten sie aber zuhause bleiben und durften nicht mit nach Bremen fahren. Da international auf Fremdpferden geritten wird, hat Trainerin Uta Deutschländer darauf verzichtet, die vertrauten Tiere mitzunehmen. Das hat vielleicht dazu geführt, dass sich Timur in der zweiten Reitdisziplin, dem Geschicklichkeitsparcour, mit dem vierten Platz begnügen musste.

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